Neuzeit in Wernigerode (1800 - 2004)

Französische Besatzung

Von 1806 bis 1813 befanden sich Stadt und Grafschaft unter französischer Fremdherrschaft. Trotz bürgerlicher Freiheiten mussten die Wernigeröder erneut unter Einquartierungen, Kontributionszahlungen und Plünderungen leiden. Das am 15. Dezember 1807 gegründete Königreich Westfalen vereinnahmte Wernigerode als Kanton im Destrikt Blankenburg des Saale-Departements. Graf Henrich vertrat de facto schon seit 1809 seinen Vater, der sich auf seinen schlesischen Besitzungen zurückgezogen hatte.
1814 schlossen sich 46 Wernigeröder Bürger begeistert zu einem Freiwilligen Jäger-Detachement zusammen, um sich an den Freiheitskriegen zu beteiligen. Der Preußische Adler war schon 1813 wieder am Rathaus angebracht worden.

Aufruf des Preußischen Königs zum Kampf gegen die Französische Fremdherrschaft 1815 


Industrialisierung

Schon vor den "Gründerjahren" (1871-73) bestanden um die Mitte des 19. Jahrhunderts in Wernigerode zahlreiche Betriebe der Nahrungsmittelindustrie (z.B. Schokoladenfabrik Ronnenberg), der papierverarbeitenden Industrie (z.B. Fabrik Marschhausen), der chemischen Industrie (z.B. Farbenmühle Dieck), der Stein- und Marmorindustrie sowie der Holz- und Bauindustrie. 
Der Wandel von einer überwiegend von Landwirtschaft, Weberei, Branntwein- und Bierherstellung sowie Handwerk bestimmten Stadt zum Industriestandort hatte sich vollzogen. Der Eisenbahnanschluss an Halberstadt 1872 mit der späteren Erweiterung nach Ilsenburg und Bad Harzburg förderte die wirtschaftliche Entwicklung.


Kakao- und Schokoladenfabrik Ferdinand Karnatzki AG
(DARI Städteführer, S. 58)


Republik und Diktatur

In den Jahren 1914 bis 1923 war die wirtschaftliche
Lage so angespannt, dass  Notgeld ausgegeben wurde

Notgeld der 20er Jahre, auf dem gleichzeitig Werbung für
Wernigerode als touristisches Ziel gemacht wurde

  

Durch den Zuzug aus konservativen Kreisen (z.B. pensionierter Beamter und Offiziere) hatte das durch den zunehmenden Fremdenverkehr bekannt gewordene Wernigerode schon bald den Ruf des "Pensionopolis" des Harzes.
 Dies spiegelte sich auch in den Wahlergebnissen der nächsten Jahre wider, in deren Endergebnis in Wernigerode bei den Reichstagswahlen 1932 von 14112 Stimmen 8354 Stimmen auf die NSDAP und die Deutschnationale Volkspartei fielen. Während des II. Weltkrieges wurden Tausende Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene in der kriegswichtigen Industrie der Stadt (Z.B. Rautal-Werke, Junkers-Werke) eingesetzt. Dem Stadtkommandanten Gustav Petri, der die Verteidigung der Stadt verweigerte, ist es zu danken, dass Wernigerode nicht bei Kriegsende durch amerikanische Truppen zerstört wurde.

Wehrmachtstruppen in der Stadt (Ende 30er Jahre)